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Malteser Vechta

Hochwassereinsatz 2002

Betreuungseinsatz während des Jahrhunderthochwassers
in Bad Schandau vom 30.08. bis 09.09.2002

Mittwoch, 28.08.2002

In den späten Nachmittagsstunden geht die Anfrage vom Generalsekretariat (GS) der Malteser in Köln ein, ob Helfer der Ortsgruppe Vechta mit ihrer Küche einen Betreuungseinsatz für mehrere Tage im Hochwassergebiet im Raum Dresden übernehmen können. Ob und in welchem Umfang die Hilfe erforderlich ist, entscheidet die Einsatzleitung vor Ort am Donnerstag vormittag.

Obwohl vor Ort weiterhin Katastrophenalarm besteht, wird es sich bei diesem Einsatz um eine humanitäre Hilfsaktion handeln, wie uns das GS weiter mitteilt. Wir können also nicht auf verpflichtete Helfer zurückgreifen.

Donnerstag, 29.08.2002

Am Vormittag wird vom GS der komplette Küchenzug, bestehend aus zwei auf Fahrzeugen montierten Großküchen mit dem entsprechenden Zubehör angefordert. Als Einsatzort wird die Stadt Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz, ca. 20 km südöstlich von Dresden und ca. 10 km von der tschechischen Grenze an der Elbe gelegen, bestimmt.

Vor Ort soll eine Einheit der Malteser aus Berlin und Görlitz abgelöst werden, die dann bereits 10 Tage im Einsatz ist. Versorgt werden soll für ca. 1 Woche die betroffene Bevölkerung sowie freiwillige Helfer in einer Größenordnung von 1.000 Personen.

Etliche Helfer, die für diesen Einsatz in Frage kommen, sind bereits für andere Einsätze - 10 Sanitätsdienste für diesen Zeitraum - vorgesehen oder können nicht kurzfristig von ihrer Arbeitgebern frei gestellt werden. So greifen wir auf Helfer aus den benachbarten Gliederungen zurück, um die vom GS als ausreichend angesehene Einsatzstärke von 20 Helfern zu erreichen.

Das Küchenteam war zu diesem Zeitpunkt bereits komplett, jedoch forderten wir aufgrund der unklaren Verhältnisse einen zusätzlichen Feldkochherd (FKH) aus Bremen an. Noch am Vormittag nimmt man Kontakt mit der Einsatzleitung vor Ort auf, um erste Dinge zu klären. Die Gespräche werden über den Tag hinweg fortgeführt.



Freitag, 30.08.2002

Nach dem bereits am Vorabend die ersten Vorbereitungen getroffen wurden, wird am Morgen das noch fehlende Einsatzmaterial sowie eine größere Menge an Hilfsgüter auf einen am Morgen von einem Hilfstransport aus Litauen zurückgekehrten LKW verladen.

Gegen Mittag machen sich 5 Helfer aus Vechta mit 2 LKW und einem MTW mit Anhänger auf den Weg ins Einsatzgebiet. Gegen Abend folgen 3 MTW mit dem Einsatzleiter aus Vechta sowie 10 Helfer aus den Gliederungen Lohne, Sandkrug und Visbek. Stunden vorher begab sich bereits ein Helfer aus Bremen mit einem Fahrzeug und FKH auf den Weg.

Gegen 22:00 Uhr trifft die erste Gruppe in Altendorf, ca. 3 km von Bad Schandau, ein. Altendorf ist von den Berlinern als Basislager ausgewählt worden, da bei deren Einsatzbeginn kein geeigneter Standort in Bad Schandau zur Verfügung stand. Das Hauptkontingent erreicht das Lager in den Nachtstunden.
 

Samstag, 31.08.2002

Nach einer kurzen Nacht stellt sich am Morgen bei einer ersten Lagebesprechung heraus, dass für diesen Einsatz weder die Anzahl der Helfer noch der Fahrzeuge ausreichen wird. Aus diesem Grund werden kurzfristig weitere Helfer und Fahrzeuge angefordert. Die momentane Lage in Bad Schandau ist, das die Stadt von Schlamm und Müll gereinigt wurde und die Bevölkerung mit Unterstützung freiwilliger Helfer damit begonnen hat, die beschädigten Häuser wieder bewohnbar zu machen.

Im Stadtzentrum wurde von den Berlinern ein Teil ihrer Küche sowie ein größeres Zelt, in dem mehr als hundert Personen gleichzeitig essen können, errichtet. Der andere Teil der Küche sowie ein weiteres Zelt befinden sich in Altendorf auf einem Parkplatz gegenüber der Freiwilligen Feuerwehr. Beide Zelte sind als "Kantinen" rund um die Uhr besetzt.

Aus Platzgründen ist es nicht möglich, die Küchenfahrzeuge in Bad Schandau zu belassen. Nach dem Abbau der Berliner Küche wird am jetzt freien Standort der FKH aus Bremen stationiert. Neben den Küchenzelten überlassen uns die Berliner auch ein Zelt, in dem sich Betroffene und Helfer vor den Mahlzeiten waschen können.

In Altendorf steht uns mehr Platz zur Verfügung und somit kann noch am Vormittag die Küche aufgebaut werden. Am Nachmittag stehen dann auch die Schlafzelte.
 

In der vergangenen Woche wurden von den Berlinern 3 x täglich mehrere mobile Ausgabestellen in der Umgebung von Bad Schandau angefahren. Damit diese Touren nahtlos von uns übernommen werden können und um den eingespielten Rhythmus übernehmen zu können, begleiten wir die Berliner bereits am Morgen bei der ersten Tour. Da wir jedoch noch nicht genügend Fahrzeuge vor Ort haben, werden wir die Touren für den Sonntag umstellen müssen.

Eine bis jetzt genutzte Lagerhalle steht zukünftig nicht mehr zur Verfügung und aus diesem Grund wird ein zweiter Kühlwagen angefordert. Dieser Kühlwagen - der am Abend eintrifft - ist für die ordnungsgemäße Lagerung von frischen Lebensmittel, wie z. B. von Fleisch, Milchprodukten, Obst, Gemüse ..., unverzichtbar.

Den ganzen Tag über treffen LKW mit Hilfsgüter aus dem gesamten Bundesgebiet ein, die in der nun freien Halle gelagert werden. Bis zum Abend ist die Halle - zum Teil mit Sperrmüll - gefüllt und es werden keine Hilfsgüter mehr angenommen.

Bis zum Mittag müssen die Lebensmittel, Getränke und sonstige Produkte geordert werden, damit die Versorgung für den kommenden Montag gesichert ist. Vorhandene Listen von Lieferanten und wichtige Telefonnummern übernehmen wir von den Berlinern.

Am Abend findet eine Einsatzbesprechung mit den Helfern statt. Der Einsatz der nächsten Tage wird besprochen und die Helfer werden entsprechend eingeteilt. Die erste Schicht beginnt noch am Abend in Bad Schandau. Anschließend findet - bei einem Bier - ein reger Erfahrungsaustausch mit den Berlinern statt.

Ein turbulenter Tag geht zu Ende.

Sonntag, 01.09.2002

In den frühen Morgenstunden (ca. 05:00 Uhr) beginnt der Tag. Auf zum Schichtwechsel nach Bad Schandau und Beginn der Frühstücksvorbereitungen in Altendorf. In Altendorf haben - neben den Berlinern und unseren Helfern - auch die Fahrer und deren Begleitpersonal von den Hilfstransporten übernachtet; die Heimreise beginnt nach dem Frühstück. Die Fahrzeuge werden nun beladen und wir brechen zur 1. Tagestour auf.

Die ersten beiden Touren beginnen in Bad Schandau, die eine Elbe aufwärts in Richtung Schmilka, die andere Elbe abwärts bis etwa Rathmannsdorf. Die dritte Tour führt ins Elbe-Tal, eine vierte versorgt die Betroffenen am Elbufer. Dabei werden zwischen 50 - 200 Personen auf den jeweiligen Tourenstrecken versorgt.

Nach dem Frühstück werden das Kochgerät und die Schlafzelte der Berliner abgebaut und verladen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Küchenpersonal bereits mit der Zubereitung des Mittagessens beschäftigt. Mehr wie 300 kg Gyros mit Reis und Krautsalat müssen bis 11:00 Uhr zubereitet werden. Die Fahrzeuge kehren von den Touren zurück, werden neu beladen und treten die 2. Tagestour an.

Kurz nach Mittag verlassen die letzten Kollegen aus Berlin Altendorf. Auf der frei gewordenen Fläche wird ein Zelt errichtet, wo ab sofort Vorräte gelagert werden. Am Nachmittag beginnen die Vorbereitungen für die Mahlzeit am Montag - braten von über 200 kg Gehacktem.

Am späten Nachmittag trifft ein MTW mit 4 weiteren Helfern in Altendorf ein. Ein weiteres Fahrzeug mit 4 Helfern wird am Montag erwartet. Wenig später brechen die Besatzungen der Tourenfahrzeuge ein drittes Mal auf, um die Bevölkerung mit Lebensmitteln u. Getränken zu versorgen. In Bad Schandau und Altendorf läuft der "Kantinenbetrieb".

Montag, 02.09.2002

Ein neuer Tag, eine neue Woche. Viele Betroffene müssen trotz der erlittenen Flutschäden zur Arbeit oder in die Schule. Am Morgen gibt es in den "Kantinen" Bad Schandau und Altendorf keine belegten Brötchen mehr, wir haben auf Buffet umgestellt. Die Bevölkerung soll sich allmählich, soweit es für sie möglich ist, wieder selber versorgen. In einigen Stadtteilen gibt es weiterhin kein fließendes Wasser, keinen Strom, Gas, wenn denn überhaupt noch eine Küche vorhanden ist.

Zum Wochenbeginn sind neben den vielen freiwilligen Helfern auch gewerbliche Unternehmen mit ihren Arbeitern und Angestellten in der Stadt. Zu Mittag wird es Nudeln mit Bolognese geben. Bis auf die Nudeln für Bad Schandau - die vor Ort gekocht werden - wird die Mahlzeit wie in den kommenden Tagen auch in Altendorf zubereitet. Hierfür fährt ein Teil der Küchenmannschaft nach Bad Schandau. Gegen Mittag dann die Überraschung.

Neben den eingeplanten Personen erscheinen zum Essen noch eine unbekannte Zahl zusätzlicher "Gäste".
Auf den Touren sieht es ähnlich aus. Da die Bolognese zwangsläufig nicht reicht, gibt es wieder mal erwärmte Bierknacker. Die Bevölkerung von Bad Schandau hatte in den letzten Wochen ihren Bedarf an Bierknackern und Bananen auf Jahre gedeckt. Am Nachmittag wird die Problematik mit Vertretern der Stadtverwaltung erörtert, es besteht weiterhin Katastrophenalarm.

Wie in der vergangenen Woche, werden in den Nachmittagsstunden von Schulklassen Lunchpakete gepackt. Die letzten Bierknacker werden für eine Erbsensuppe am Dienstag geschnitten. Zwischenzeitlich sind die erwarteten 4 Helfer eingetroffen. Der "Kantinenbetrieb" in Bad Schandau wird nach dem Abendbrot bis zum Morgen eingestellt.

Da aber weiterhin Betroffene in den Abend- und Nachtstunden vorbeikommen, um sich bei einem Kaffee auszuruhen oder aber um ein wenig über das Erlebte zu reden, ist eine Nachtwache vor Ort. Gegen Mitternacht werden wie in den kommenden Nächten auch die Helfer ausgetauscht, deren Schicht endet am Morgen.

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