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Malteser Vechta

Weltjugendtag 2005

Einsatzbericht der Malteser Vechta
Notiert und zusammengefasst von Gregor Osterloh, Leiter UHS 30 A auf dem Marienfeld

Wie alle Beteiligten sehr wohl wissen, hat der Einsatz nicht erst im August begonnen, sondern schon weit im Voraus. Wir aus Vechta wurden auf den DKT in Ulm 2004 auf diesen Einsatz angesprochen.

Im Herbst 2004 wurde ich gefragt, ob ich bereit wäre auf dem WJT die Leitung einer UHS zu übernehmen, was ich mit Freuden zusagte. Zu dem Zeitpunkt bestand eine UHS noch aus ca. 40 Helfern, daher war der Einsatzauftrag natürlich anders zu bewerten, wie er am Ende wirklich war. Jedoch fing ich frühzeitig an, Werbung zu machen, um Helfer zusammen zu bekommen.

Da wir in Vechta uns einig waren, an diesem Mega Event der Extraklasse teilzunehmen, war es nicht schwer, dafür Einsatzkräfte zu bekommen. So hatten wir zum Jahreswechsel bereits 16 Helfer die mit wollten. Bis Ende Februar, in der Zeit also, als die erste Info aus Köln mit der ersten Materialanforderung kam, hatte ich meine Mannschaft eigentlich zusammen. Trotz einigen personellen Änderungen waren wir aus der OG Vechta am Ende mit 23 Helfern in den Bereichen Sanitätsdienst, Einsatz und Führungsunterstützung und Task Force vielfältig vertreten.

Der einzige Wehrmutstropfen war der, dass wir leider nur an der Abschlussveranstaltung auf dem Marienfeld (MF) teilnehmen konnten. Die Tage zuvor hatten wir bei uns in Vechta den Stoppelmarkt, Norddeutschlands größtes Volksfest. Daher durften wir aus Sicht des Katastrophenschutzes nicht unsere Helfer aus der SEG abziehen, sondern mussten während der Veranstaltung im Hintergrund wachsam sein. (Und tatsächlich hatten wir auch einen Einsatz.)

Als dann die neuen Einsatzunterlagen kamen und immer neue Änderungen an Personal, Führungsstruktur und Material gefordert wurden, entschieden wir uns im Offizialat Oldenburg dazu, 3 UHS'n zu melden. Inzwischen war auch die Anzahl der gemeldeten Helfer aus allen Gliederungen auf fast 80 angestiegen. Wir aus Vechta holten uns einige Kollegen aus der OG Visbek mit ins Boot, um so besetzt eine prima Gruppe abzugeben.

Das erste Vorbereitungswochenende im Mai in Ahrweiler verlief genau so informativ wie das zweite im Juli. Alle Führungskräfte, die anwesend waren, und das waren eine Menge, waren hoch motiviert und neugierig auf die Informationen die wir bekamen. Da auch die anderen Rettungsorganisationen vertreten waren, lief alles in einem lockeren und vereinsübergreifenden Rahmen ab, mit dem Ziel, eine Einheit im Einsatz zu bilden und von einer gleichen Ebene aus zu arbeiten.

Um unseren Helfern aus den einzelnen Gliederungen diese Informationen weiter geben zu können, veranstalteten wir in Vechta einen Tag der SEG. Den 5. in Folge, nur diesmal mit dem Schwerpunkt WJT. Hierzu wurden alle Helfer eingeladen und mit allen aktuellen Infos versorgt. Zusätzlich bauten wir eine komplette UHS mit Material und Zelten auf, damit die Mannschaften sich schon auf ihren Arbeitsplatz einstellen konnten.

Je näher der Einsatz rückte umso detaillierter wurden die Infos und Ansprüche an Material und Personal. Das war jedoch eigentlich kein Problem. Da wir für unsere UHS 30 A das meiste an Ausstattung an der Wache hatten, musste nur genau überlegt werden, was wir wie auf den LKW verladen, um am Einsatzort alles so griffbereit zu haben wie man es braucht. Am meisten hatten wir zu tun, um die geforderten Medikamente zu bekommen. Leider hatten wir nicht die Möglichkeit, diese aus einem Krankenhaus zu beziehen; also mussten wir sie über den Rettungsdienst ordern, was am Ende auch OK war.

Am Mittwoch den 17.08.05 war es dann endlich soweit, dass wir anfangen konnten zu verladen. Mit den anderen Leitern aus dem Offizilat Oldenburg hatte ich abgemacht, dass ich deren Ausstattung mit auf den LKW der LGS verpacke und dafür sorge, dass alles mitkommt was mit soll. Leider wurde der Platz am Ende sehr knapp, aber mitbekommen haben wir alles.

Am Donnerstag den 18.08. luden wir unsere restliche Ausstattung auf unsere MTW, wobei vor allem die Medizinische Ausstattung sorgfältigst verpackt wurde. Neben Kleinigkeiten an persönlicher Ausstattung hatten wir somit nichts weiter an Bord, was uns genügend Platz für die Fahrt bescherte. Mit 20 hoch motivierten Helfern zu solch einem Einsatz zu fahren, war schon immer ein besonderes Ereignis. Als Leiter mit einer solchen Gruppe unterwegs zu sein, war noch interessanter, man spürte förmlich das Kribbeln aller Helfer schon im Vorfeld.

Freitag , 19.08: Wir, die Helfer der 3 UHS, trafen uns um 6.00 Uhr an der Wache in Lohne für den Reisesegen. Nach Festlegung der Reihenfolge in der Marschkolonne ging es dann los mit 12 Fahrzeugen und 66 Helfern Richtung Köln. Leider hatten in den letzten Tagen noch einige Helfer kurzfristig abgesagt, die wir nicht mehr ersetzen konnten. Die ersten 6 Helfer für die Einsatzunterstützung waren schon am Sonntag gefahren, die letzten 8 für die Task Force folgten am Samstag. Als Treff und Sammelpunkt auf der Autobahn hatten wir den Rasthof Remscheid ausgemacht, wo wir uns alle gegen 10.00 Uhr einfanden.
    
Ab hier ging es dann in einer fest zusammengefügten Kolonne direkt zu unserer Unterkunft in Habbelrath. Da natürlich die von allen bekannten Pflichtübungen: Möglichst schnell einchecken, möglichst schnell Zimmer beziehen, möglichst schnell Essen um dann um 13.00 Uhr abfahrbereit zu stehen für unseren Einsatz auf dem Marienfeld. 

Aber auch hier stand vor der Kür die Pflicht: Nachdem wir unseren Anlaufpunkt in Horem erreicht hatten um zum Marienfeld gelotzt zu werden, warteten wir 3 Stunden bis es endlich soweit war.

Nach einer guten halben Stunde Fahrt sahen wir erstmalig das Feld und waren alle beeindruckt von der Größe und Ausstattung. Unser Platz für die UHS war jedoch schnell gefunden und so konnten wir mit dem Aufbau beginnen. Da wir ja auch das Material der UHS 29 auf dem LKW hatten, legten auch unsere Kollegen los. Zum Glück lagen unsere 2 UHS so dicht beieinander, das wir fast zeitgleich abladen und aufbauen konnten.

Als um 19.00 Uhr eine schwere Unwetterfront mit viel Regen über das Marienfeld zog, hatten wir unsere Zelte bereits stehen und wurden somit nicht nass. Die Ausstattung und Ausrüstung hatten wir bis 20.00 Uhr aufgebaut und warteten nun der Dinge die da kommen sollten, aber nicht kamen. Da keine Pilger auf dem Feld waren, wurde uns von der Einsatzleitung freigestellt, wieder in die Unterkunft zu fahren um dort zu schlafen. Wir entschieden uns jedoch zu bleiben und unsere Nacht auf dem Feld zu verbringen.

Zu tun gab es natürlich nichts, aber so hatten wir die Möglichkeit uns ganz in Ruhe auf dem Marienfeld umzusehen und diesen Einsatz schon jetzt auf uns wirken zu lassen. Die Verpflegung war kein Problem und Kaffee konnten wir uns selber kochen. Also war für alles gesorgt und alle waren bestens zufrieden. Der eine oder andere schlief ein paar Stunden, und so ging unsere erste 12 Stunden Schicht in Ruhe zu Ende.

Nachdem uns unsere Kollegen aus Lohne auf die UHS eingewiesen waren, konnten wir zur Unterkunft zurück und gemütlich frühstücken, wobei der ein oder andere Helfer aus den anderen Gliederungen uns verzeihen möge, dass wir so aufgedreht waren. Aber letztendlich legten wir uns dann doch irgendwann schlafen, um gegen Mittag wieder wach zu sein.

Als gegen 15.00 Uhr der Abmarschbefehl für 16.00 Uhr kam, war es für alle kein Problem. Wir wollten möglichst schnell zum Dienst auf dem Marienfeld. Da mir von den Vorbereitungstreffen eine Abkürzung bekannt war, brauchten wir anstelle der prophezeiten 1,5 Stunden nur 15 Minuten um unsere Kollegen zu erreichen. Die waren natürlich nicht auf unser frühes Auftauchen eingestellt, sondern noch voll bei der Sache. Denn inzwischen hatte sich das Marienfeld völlig gewandelt: Es war brechend voll. Nachdem wir dann in die laufende Arbeit eingewiesen worden waren und UHS 30 B abrückte zu ihrem wohlverdienten Feierabend, lief alles wie am Schnürchen. In den nächsten 6 Stunden hatten wir über 50 registrierte Patientenkontakte, von vielen Kleinigkeiten und Tausend Anfragen zu allen möglichen Sachen nicht gesprochen.

Leider haben wir den Papst nicht direkt gesehen, aber da eine Videoleinwand nur ca.15 Meter vor unserer UHS stand, hatten wir zumindest das Gefühl, ihm gegenüber zu stehen. Bei vielen meiner Helfer ist die Vigil nur noch als schwache Erinnerung übrig geblieben, weil wir so viel zu tun hatten. So war nun mal der Job, den aber auch im Nachhinein keiner vermissen möchte.

Als gegen Mitternacht etwas Ruhe einkehrte und unsere Ärztin endlich mal was essen und trinken konnte, sagte sie, dass sie so etwas nicht erwartet hätte. Diese Vielzahl von Beschwerden und Krankheiten. Von einfachen Verstauchungen über Herz - Kreislauf Probleme bis hin zu Schwierigkeiten in der Schwangerschaft im 7. Monat. Auch mussten meine EVT (Erst- Versorgungs- Trupp) mehrfach ins Gelände, um dort Pilger abzuholen, die nicht zu uns kommen konnten. Dazu kam noch, dass unser Einsatzgebiet sich fast verdoppelte: Da wir am hinteren Rand des Marienfeldes postiert waren und noch viel Platz auf einem Acker, der hinter uns lag und eigentlich nicht zum Gelände gehörte, war, fanden sich doch einige Tausend Pilger dort ein. Und diese mussten natürlich mitversorgt werden.

Aber auch wenn es etwas ruhiger wurde, hatten wir keine Pause: Die Abschnittsleitung verlangte stündlich eine Meldung über die geleistete Arbeit. Dazu musste ständig unser Material aufgefrischt werden. Da das immer unterschiedlich angeliefert wurde, waren wir auch nicht überrascht als plötzlich 2 Fahrradkuriere vor unserm Zelt standen.

Aber alles klappte ganz prima. In den frühen Morgenstunden, als es merklich frischer wurde, fuhr ein LKW des THW vor. Seine Ladung bestand aus ca. 1500 Einmaldecken für die Pilger. Diese wurden erst an die einzelnen UHS'n in unserem Abschnitt verteilt, um dann an jene Pilger weitergegeben zu werden, denen es eindeutig zu kalt war. Und das waren viele. Aber auch so kamen am Morgen noch Pilger, die völlig unterkühlt waren. Die meisten wurden, wie auch in anderen UHS'n, warm eingepackt und in unseren Zelten auf die Feldbetten verteilt, damit sie unter Aufsicht noch ein wenig schlafen konnten.

Natürlich hatten wir auch Patienten, die nicht nur ambulant versorgt werden konnten. Diese wurden durch RTW ins angegliederte Medical Center der Bundeswehr gefahren, was bei uns immer gut geklappt hat, auch wenn mal 3 RTW vor unserer UHS standen. Nach der zeitnahen 2. Ablösung durch unsere Kollegen ging es wieder auf die Feldbetten in der Unterkunft. Natürlich waren wir nicht mehr so aufgedreht und fit wie am Vortag. Aber alle waren voll zufrieden mit sich, der Gruppe, der Gemeinschaft, die sich entwickelt hatte und letztendlich auch mit der Arbeit, die getan wurde.

Nachdem wir an diesem Sonntag, (Sonntag? Tatsächlich schon Sonntag!) 6 Stunden geschlafen hatten, dachten wir, es würde so ablaufen wie auch schon am Vortag. Da hatten wir uns aber wohl alle geirrt. Der Abschlußgottesdienst war schon vorbei und die Pilger somit auf dem Rückweg zu ihren Unterkünften, ihren Gastfamilien oder einfach nur nach Hause. Jedoch verlief das Ganze nicht so langsam wie geplant. Etwa 4 Stunden nach dem Ende des Gottesdienstes war das Marienfeld fast leer und Pilgerwege, Bahnhöfe und Busse überfüllt. So kam es, dass bei uns in der Unterkunft kurzfristig eine eigene Abschnittsleitung gebildet werden musste, um eventuelle Pilgerströme zu versorgen. Die Aufgaben, die meiner Mannschaft und mir dabei zugeteilt wurden, lagen eigentlich genau auf unserer Linie:

Während die Mannschaft einen von zwei Behandlungsräumen nach Ausstattung einer UHS einrichteten, wurde mir der Fachbereich S4 übertragen: Besorgung und Sicherstellen von Gebrauchs- und Verbrauchsmaterial sowie Sicherstellung der Versorgung der Helfer und der eventuell eintreffenden Pilger. Diese Maßnahmen erwiesen sich zum Glück fast alle als nicht notwendig, jedoch hatten wir über einen Zeitraum von 3 Stunden alle Hände voll zu tun, um unsere Arbeit zu bewältigen.

Als sich dann letzten Endes die Lage in unserer Umgebung normalisierte, entweder waren alle Pilger weiter gezogen, oder man hatte das Ganze überbewertet, kam die nächste Frage auf: Wie wird der Regelbetrieb weitergeführt?

Zunächst gab es sehr viele widersprüchliche Einsatzbefehle von verschiedenen Stellen. Jedoch waren wir uns in der gebildeten Abschnittsleitung einig, dass keine Gruppe für sich entscheiden sollte, wie sie zu verfahren hat. Der letztendlich entscheidende Befehl war, dass Teile aus den anwesenden Mannschaften zum Marienfeld fahren sollten, um die dort noch Dienst tuenden Mannschaften beim Abbau zu unterstützen. So wurde damit innerhalb von 10 Minuten die Abschnittsleitung Habbelrath aufgelöst. Meine Mannschaft bekam von mir den Auftrag, sämtliches Material wieder weg zu packen.

Währenddessen fuhr ich mit 3 Helfern und dem LKW zum Marienfeld und unserer UHS, wo unsere Kollegen bereits am Abbauen waren. Das Erste, was uns ins Auge viel, war die riesige Menge an Müll der sich überall türmte, aber das war zum Glück nicht unser Problem.

Nach Klärung der Lage mit dem Leiter der UHS 30 B informierte ich meinen Gruppenführer, dass er unsere Unterkünfte räumen sollte, sich bei dem Quartiermeister abmelden und sich dann mit unseren MTW's und unserem Material aus der Unterkunft auf den Weg zum Marienfeld machen sollte. Denn wenn wir nochmals benötigt würden, wäre der Einsatzort bestimmt nicht das Marienfeld. Aber zur Unterkunft brauchten wir somit auch nicht zurück.

Nachdem unsere Sachen verstaut waren, rückten unsere Kollegen zur Unterkunft ab und wir halfen der UHS 29 A beim Verladen ihrer Sachen in den LKW. Gegen 21.30 Uhr war auch die Arbeit getan und meine Helfer kamen aus der Unterkunft zu uns. Somit sind waren wir wieder komplett und stellten uns in Bereitschaft, entweder für den nächsten Einsatzort oder für die Heimfahrt.

Um 23.00 Uhr traten wir dann doch unsere Heimfahrt an, nachdem wir uns von der Abschnittsleitung verabschiedet hatten und es tatsächlich noch schafften, ein gemeinsames Gruppenfoto zu machen.
   
Um 3.25 Uhr waren wir wieder zu Hause auf der Wache in Vechta. Da für diesen Montag die MTW's benötigt wurden, machten wir sie wieder einsatzbereit. Das Entladen des LKW hatten wir schon im Vorfeld auf den Montagabend, unseren regulären Dienstabend gelegt. So konnten wir dann um 4.00 Uhr alle nach Hause fahren und uns ausschlafen.

Fazit dieses Einsatzes für uns:
Trotz der Tatsache, dass
 - wir nur eine Nachtschicht im regulären Einsatz waren
 - der überwiegende Teil der teilgenommenen Mannschaften mehr Stunden gemacht hatten
 - die Vorbereitungen eigentlich in keinem Verhältnis standen zur Einsatzlänge:

Die SEG Vechta, aus der der überwiegende Teil ja stammte, ist noch dichter zusammengerückt und die Zusammenarbeit mit dem Hauptamt hat sich als hervorragend erwiesen. Dasselbe gilt natürlich auch für die anderen Helfer in der Einsatz- und Führungsunterstützung und in der Task Force, deren Arbeit ich hier eigentlich nicht bewerten, aber durch Hörensagen nur als positiv beurteilen kann.

Vechta im Oktober 2005
Gregor Osterloh
Leiter VE - MF - 1 - 30 - A

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