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Malteser Vechta

Bombenräumung Dezember 2009

Evakuierung wegen Bombenentschärfung

Zahlreiche ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter der Malteser aus dem Landkreis Vechta und auch darüber hinaus haben am 27. Dezember 2009 an diesem Einsatz mitgewirkt. Sie waren an vielen Aufgaben beteiligt und haben ungezählte Stunden mit der Vorbereitung verbracht. Durch häufig wechselnde Szenarien in der Aufgabenstellung und den Dimensionen des Einsatzes wurden viele Helfer aktiviert, die man am Ende doch nicht mehr benötigte.
Vor diesem Hintergrund des Einsatzes ist es fast unmöglich, einen Gesamtbericht im Detail zu erstellen. Deswegen sind hier nur die Arbeiten der Helfer der SEG in Vechta notiert, in der Hoffnung, auch da allen gerecht zu werden.

Sommer 2008
Die ersten Gerüchte kamen auf. Noch wollte oder konnte sich keiner dazu äußern, dass es eine Evakuierung geben könnte oder müsste. Nur dass man vermutlich eine Bombe lokalisiert hätte.

Herbst 2008
Was erst fast als Scherz aufgenommen wurde, stellte sich nun als Wahrheit heraus. Es wusste aber auch da noch keiner was genau nun geschehen sollte. Vor allem als gesagt wurde, die Räumung solle an Weihnachten stattfinden. Ein Scherz?

Sommer 2009
Zum ersten Treffen der Verantwortlichen aus Vechta kam es am 17.09.2009. Es hatte vorher bereits einige Treffen und Termine der Stadt Vechta mit dem Bombenräumkomando, Hilfsorganisationen und der Polizei gegeben. Daher konnten am 17.9. die Eckpunkte genannt und Arbeiten schon mal grob aufgelistet und verteilt werden. Klar war von Anfang an, dass wir aus Vechta die Verpflegung der Malteser Einsatzkräfte übernehmen sollten. Ob auch andere Kräfte mitverpflegt werden sollten, konnte zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht gesagt werden.
Klar war allerdings, dass es ein Evakuierungszentrum, EVZ genannt, geben werde. Dazu bot sich die Ludgerusschule im nördlichen Stadtgebiet geradezu an. Hier sollten alle Helfer verpflegt werden und, was noch wichtiger war, die sollte alle Bürgerinnen und Bürger, die evakuiert werden müssten, als Auffangpunkt dienen. Dabei ging man von 3 bis 4 Prozent der 8500 betroffenen Anwohner aus.
Außer der Verpflegung sollte es auch Betreuung für Betroffene und Helfer geben. Da man vom Schlimmsten ausgehen musste, das heisst, die Bombe explodiert beim Entschärfen, waren auch in dieser Hinsicht zahlreiche Aufgaben zu erarbeiten und abzudecken.
So sollte zum Beispiel ein spezieller Ruheraum mit Betten eingerichtet werden, in dem ältere Anwohner sich hinlegen könnten. Des Weitern war eine Kinderbetreuung in einem angrenzenden Kindergarten sicher zu stellen. Außerdem wurde der Einsatzunterstützung die Aufgabe übertragen, sämtliche zu transportierenden Patienten aus Pflegeheimen und dem Krankenhaus zu registrieren, um den Verbleib dieser Personen jederzeit nachverfolgen zu können. Hinzu kam später von der Stadtverwaltung noch der Wunsch, alle Bürger, die sich im EVZ aufhalten würden, ebenfalls zu registrieren.

24.09.2009
Erste Sitzung des Einsatzstabes der Malteser
Angesprochen und koordiniert werden sollten an diesem und weiteren regelmäßigen Treffen alle Arbeiten der Malteser. Da alle Aufgaben in ihrem Umfang abhängig von den zu evakuierenden Personen waren, war die wichtigste Frage immer: Wie ist der Stand der Patientenanzahl? An diesem ersten Treffen wurden 120 Liegendpatienten und 60 zu transportierende Rollstuhlfahrer genannt.

18.11.2009
Neue Zahlen und wieder mal ganz anders: Es müssten keine Liegendtransporte mehr durchgeführt werden, da das Krankenhaus nicht mehr komplett evakuiert werden würde. Das, und das die Zahl der Rollstuhlfahrer, sowie weitere Sitztransporte auf etwa 140 gestiegen war, zeigte am Besten, wie viel Dynamik für uns in diesem Einsatz und vor allem in der Vorbereitung hierzu lag. Und da das Krankenhauses nun ja nicht mehr evakuiert wurde, fielen komplette Arbeitsbereiche weg. So wurden die gesamten RTW, die aus dem Umland organisiert worden waren, nicht mehr benötigt. Aufgrund dessen entfiel auch der Parkplatz und Bewachung über Nacht sowie die Stromversorgung für diese etwa 60 RTW komplett.
Für die Helfer im EVZ machte es sich nicht bemerkbar, denn die Verpflegung für Feuerwehr und Polizei kam nun hinzu. Hier war man bei etwa 1000 zu versorgende Helfern angekommen. Dagegen war die Arbeit für die Registrierung um über die Hälfte weniger geworden. Wir mussten nun nicht mehr an 12, sondern nur noch an 5 Standorten Patienten registrieren.

16.12.2009
Letztes Treffen des Stabes der Malteser
Grundsätzlich gab es keine großen Änderungen und Neuerungen. Die zu erwartende Bevölkerungszahl im EVZ blieb bei ca. 300, die zu versorgenden Helfer bei ca. 1000 und die zu registrierenden Patienten bei ca. 130.
Somit waren die Arbeiten für Vechta eindeutig und überschaubar, auch wenn wir in drei Bereichen tätig sein würden.

21.12.2009
Letzte Absprachen mit den Helfern bezüglich ihrer Einsatzzeiten fanden am 21.12. statt. Da zugleich an diesem Montagabend Dienstabend der SEG war, wurde nach kurzer Einteilung damit begonnen, erstes Einsatzmaterial für die Küche und den allgemeinen Dienstbetrieb im EVZ zusammenzupacken. Das Einsatzmaterial für die Registrierung, Laptop, Kabel etc., war im laufe der vergangenen Woche bereits gepackt und einsatzbereit gemacht worden.

23.12.2009
Um 14.00 Uhr wurde mit dem Aufbau im EVZ begonnen. 20 Helfer der SEG richteten in der Ludgerusschule alle notwendigen Räumlichkeiten für den 27.12. her und gestalteten es zum EVZ um. Es wurden Klassenräume zu Ruheräumen umgebaut und mit Betten bestückt. Aus der Pausenhalle wurde ein Speisesaal mit Ausgabestellen für Frühstück, Mittag und Kaffeetafel. Außerdem entstanden eine Fernsehecke sowie genügend Sitzmöglichkeiten, damit die Helfer auch mal einen „Klönschnack“ halten könnten.
Die Einsatzunterstützung baute für die Registrierung ihren Server mit den notwendigen Rechnerplätzen auf. Dank guter Vorbereitung waren diese Arbeiten um 18.00 Uhr beendet und alle Helfer konnten ruhige Weihnachtstage verbringen.

 

 

27.12.2009
5.00 Uhr: Dienstbeginn für die Küche. Da zum Briefing der Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr ein leichtes Frühstück bereitstehen sollte, musste die Küchenmannschaft anfangen, Kaffee zu kochen und Brötchen zu schmieren.

7.00 Uhr: Alle anderen Helfer waren ebenfalls im Einsatz. Es galt, letzte Besprechungen für die Registrierung durchzuführen und die Helfer zum Einsatzort zu bringen. Außerdem sollte das Betreuungsteam für die Bevölkerung mit seinen 8 Helfern der SEG im EVZ noch einmal nachsehen, ob alles in Ordnung war.
Leider trafen mehr Einsatzkräfte von anderen Organisationen ein, als eingeplant war. Deswegen wurde die Zeit zum Frühstücken für einige Einsatzkräfte zu kurz und diese mussten ohne Frühstück in den Einsatz gehen. Insgesamt wurden etwa 900 Portionen Frühstück ausgegeben.

 

8.00 Uhr: Abfahrt der Kräfte für die Registrierung; insgesamt 24 Helfer, davon 7 von der SEG Vechta. Aufgrund des neuen Einsatzprogramms Euro DMS benötigten sie etwa 30 Minuten, um sich einsatzbereit zu melden. Danach lief dieser Teil des Einsatzes ohne große Störungen bis zum Einsatzende.

11.00 Uhr: 240 Bewohner aus dem Evakuierungsbereich hatten sich bislang eingefunden. Die Stimmung bei Helfern und Bevölkerung war nach wie vor gut. Die Helfergruppe EVZ hatte außer einigen Kleinigkeiten wie Aufräumen und für Ordnung und Sauberkeit sorgen, nichts zu tun. Am Rande bekamen wir auch die Information, dass die 2 Gefängnisse, die sich im Evakuierungsbereich befanden, geräumt seien.

12.00 Uhr: Mittagessen. Große Teile der Polizeibereitschaft rückten an, um Pause zu machen. Eng wurde es zwischendurch nur wegen der nicht immer ausreichenden Sitzplätze. Die Küchenmannschaften mit insgesamt 16 Helfern der SEG gaben an der Wache Vechta und im EVZ ihr Bestes. Alle Mahlzeiten waren wie immer gut, heiß und in ausreichender Menge da. Unterstützt wurde die Küche im Bereich der Ausgabe und Abwasch von den Schwesternhelferinnen und der Jugendgruppe aus Vechta sowie Helfern aus der Ortsgruppe Lutten. Es gab Jägergeschnetzeltes, Schnitzel, Nudeln, Kartoffeln und Salat sowie ein Vegetarisches Menü. Es wurden ca. 1200 warme Mahlzeiten verteilt und dazu etwa 450 Liter Kaltgetränke.

13.00 Uhr: Informationen von der Polizei und Bombenräumkommando:
Die 10-Zentnerbombe müsse nun doch gesprengt werden hieß es und zwar auf den extra dafür vorgesehenen Sprengplatz im Immentun. Zeit bis dahin: Etwa noch 2,5 Stunden.

15.00 Uhr: Da der vermeintliche Zeitpunkt der Sprengung näher rückte, fuhren die Helfer der Registrierung vom EVZ zu ihren Standorten zurück.

15.45 Uhr: Die Bombe ist gesprengt. Natürlich verließen die Bürger nun umgehend das EVZ und begaben sich wieder nach Hause. Im EVZ wurde es sehr ruhig, weil auch fast alle Feuerwehrhelfer und die Polizei nun Dienstende hatten. Nur die Fahrer der Malteser mussten noch ihre Touren zurück fahren, viele allerdings erst ab 18.00 Uhr. Daher hatten sie nun Zeit, noch in Ruhe Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.
Appropos Kaffe: 600 Liter davon wurden im Laufe des Einsatzes im EVZ zubereitet und verteilt.

17.30 Uhr: Alles war in Aufbruchstimmung. Die Fahrer waren unterwegs, die Registratur saß parat an ihren Rechnern. Die Gruppe EVZ war dabei, die Schule aufzuräumen und zurückzubauen. Und die Küche bereitete noch ein letztes Mahl für die letzten Helfer zu. Zeitgleich baute sie aber auch schon alles nicht mehr Benötigte ab, um nicht zu spät Feierabend zu bekommen.

19.00 Uhr: Als einzige war jetzt nur noch die Registrierung am arbeiten.
Letzte Patienten mussten noch registriert und das Einsatzmaterial abgebaut und transportbereit gemacht werden.

19.30 Uhr: Bombenparty im Feuerwehrhaus der FF Vechta. Ein Abschlussbier zum erfolgreichen Einsatz der Bombenräumung. Was jedoch nicht viele Helfer nach 12 – 14 Stunden ehrenamtlicher Einsatzzeit annahmen. Dennoch war somit dieser Einsatz für uns erfolgreich abgeschlossen. Nur die üblichen Einsatznachbereitungen in Form von Statistiken und Berichte mussten noch geschrieben werden. Aber dafür hatten wir nun ja auch Zeit.

Gregor Osterloh
GrFü
EinsUstg
SEG Vechta

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